Villa H.

Rezeption und Wirkung Halkyone / Otto Erich Hartleben

Marcus Behmer. Neujahrsgruss 1952
für Alfred von Klement
Post für Alfred von Klement
von Marcus Behmer
Ludwig von Fickers
»Und Friede den Menschen«

Alfred Kubin bericht über seine Ernennung in die Akademie

       
Otto Erich Hartleben ist »Das Berliner Pendant zu Peter Altenberg«
Das Friedell-Lesebuch. Hrsg. von Heribert Illig. München 1988, S. 244


[Otto Julius Bierbaum, Pseudonym:] Martin Möbius: Steckbriefe erlassen hinter dreissig literarischen Ubelthätern gemeingefährlicher Natur. Mit den getreuen Bildnissen [...] versehen von Bruno Paul. Berlin und Leipzig, Schuster und Löffler 1900, S. 71f.: »Zu den rätselhaftesten Erscheinungen der deutschen Literatur gehört Otto Erich Hartleben. Man weiß von seinem Leben nur, daß er auf eine höchst ruhmreiche juristische Laufbahn zurückblicken darf, in der er schon als Referendar Triumphe der Beredsamkeit feierte, und daß ihn nur eine starke Hinneigung zu gegohrenen Getränken vor dem Schicksal, preußischer Justizminister zu werden, bewahrt hat. Aus Freude über diese glücklich vermiedene Gefahr und aus Dankbarkeit zu der Gattung Flüssigkeit, die ihm diese Gefahr zu vermeiden geholfen hat, beschäftigt er sich seitdem unausgesetzt damit, Alcoholica zu vertilgen. Bis zu welcher Fertigkeit er es darin gebracht hat, ist ganz unglaublich. Sechs Anatomien sind auf seine Nieren, acht auf seine Blase abonnirt. Zu den unbegreiflichen Phänomenen, zu den Rätseln, die niemals gelöst werden können, gehört der Umstand, daß Otto Erich Bücher schreibt. Wann und wo er dies thun mag, hat schon Viele beschäftigt, Keiner hat es ergründet. Daher denn die Meinung lebendig wurde, er schreibe die Bücher nicht selbst, sondern habe sich einen Menschen dazu abgerichter, dem er seine Novellen, Dramen, Gedichte auf dem Wege vom Bierhaus zum Weinhaus durch stark eindrucksvolle Gesten einflößt.
Otto Erich ist, infolge seiner Trinkfestigkeit, der populärste deutsche Dichter; am meisten bewundern ihn aber die jüdischen Reporter, die nichts vertragen können. In der letzten Zeit hat er an Volkstümlichkeit eingebüßt, weil er so unvorsichtig war, zu erklären, Heinrich Heine sei ihm stets unangenehm gewesen. Das war sehr überflüssig, denn die geringe Begabung Heines für das Saufen ist allbekannt. Otto Erich aber wird viele Hektoliter Pilsener Bier austrinken müssen, will er diesen faux pas wieder gut machen.

   
    
   

 

Darstellungen des Eisvogels

J. Renard / G. Barret:
Histoires naturelles.
Paris 1972
 Holst / Schellbach:
Komische Käuze. 1909
Carl Barks, der Berichterstatter aus
Entenhausen (Stella antium)
© Abbildungen Walt Disney Co.
 J. G. Keulemanns:
Onze Vogels in Huis en tuin. 1869ff.
         
Hermann Löns schreibt ausführlich über den Eisvogel in seinem Aufsatz »Das blaue Wunder« u. a.: »Etwas Schöneres gibt es weit und breit nicht als den kleinen Wildfischer, den Eisvogel. Seine Farben sind nicht von dieser Welt; sie entstammen den Ländern, wo Lianen an Palmen emporkriechen und von den Ästen der Urwaldbäume wunderbare Orchideen ihre Zauberblüten herabhängen lassen. Der einzige seiner Gattung ist es, der im Norden heimisch ist; seine ganze Verwandtschaft lebt in den wärmeren Strichen der Erde« (nachzulesen in: H. Löns: Was da kreucht und fleucht. Berlin, Bücherfreunde /Wegweiser 1924, S. 10ff.)


Auf seinem Zweig über dem Bach sitzt der Schimmernde im Licht, der Smaragd unter unseren Vögeln. Ein beryll-blauer Streif glänzt über seinem Rücken. Wenn ein Schatten auf ihn fällt, leuchtet er dunkler, wie Lapislazuli. Unterseits hat er den Rosthauch des Karneols.
Er sitzt auf seinem Zweig, gereckt und aufgerichtet, und hält den Schnabelspieß im rechten Winkel vom Körperchen, das nicht viel größer als das eines Finken ist. Die Flügel und der Schwanz sind kurz. Wie manche Vögel mit nicht sonderlich gut entwickelten Flugwerkzeugen fliegt der Eisvogel meist pfeilgeschwind geradeaus. Sein Flug ist reißend schnell, mäßigen kann er ihn kaum. Wenn er anhalten will, rüttelt er mit schnurrendem Flügelschlag über der Stelle, wo er ein Fischchen unter sich sieht. [...] (Richard Gerlach: Die Gefiederten. Das schöne Leben der Vögel. 5. Auflage Hamburg 1953, S. 161.)

         

Literarische Belegstellen

Halcyonische Tage

Mild umglänzten zu Napel uns halcyonische Tage;
Ruhig blieb immer das Meer, still der erschöpfte Vesuv.
Warfst du da, murrend wie Jonas, dein Tagebuch nicht in den Winkel?
Aber die Menschlichkeit, Freund, opferte Kränze des Danks!
Matthissons Gedichte, Tübingen, Cotta
1811, Band II, S. 89.

"Es war Gerty, die jede Nacht das Gas abdrehte am Haupthahn, und es war Gerty, die an der Wand jenes Oertchens, wo sie niemals alle vierzehn Tage den Chlorkalk vergass, Mr. Tunneys, des Krämers, Weihnachtskalender aufhängte, das Bild der halkyonischen Tage, auf dem ein junger Herr in der Tracht, die man damals trug, mit einem Dreispitz, seiner Geliebten mit altmodischer Ritterlichkeit einen Blumenstrauss durch ihr Gitterfenster reichte.[...] Sie blickte gar oftmals träumerisch zu ihnen auf, wenn sie zu gewissem Zweck dort weilte, und befühlte ihre eigenen Arme, die weiss waren und weich wie die ihren mit den zurückgeschobenen Aermeln, und dachte über jene Zeiten nach, denn sie hatte in Walkers Aussprache-Lexikon, das Grosspapa Giltrap gehörte, über die halkyonischen Tage nachgelesen, was sie bedeuteten."
James Joyce: Ulysses. Übertr. von Wollschläger. 1979, S. 494 f.

beide Belegstellen mitgetheilt von Wolfgang Steinhardt vom Antiquariat Erasmushaus,
HAUS DER BUECHER AG in Basel - Gruezi
http://www.erasmushaus.ch


»Wieder Sendlingertorbar. Im Auto heim und hier draußen Sommerleben mit Bubi.Immer aus einer Welt in die andere. Immer haben wir eine Menge Vögel am Fenster, denen Bubi Futter streut, einen Eisvogelartigen, den er Halkyone getauft hat, Dompfaffen und das ›schwarze Weibchen‹. Manchmal lesen wir Tausendundeine Nacht. Alles ist schön, ach Gott, ich bin doch so glücklich, wie man nur sein kann. Wenn nur die verdammten Existenzsorgen nicht wären. Was hab' ich für einen Leichtsinn, daß ich das überhaupt aushalte.«

Franziska Gräfin zu Reventlow: Tagebücher 1897-1910, Ende Juli [1908]
(http://wolfgang-rieger.de/)

 

Ein eleganter Mörder

»Immer hatte ich Dich lieb, Eisvogel! Einmal sah ich Dich in Gmunden, an einem gefrorenen Teiche. Du warst wie ein Winter-Kolibri! Peter Altenberg« [unterhalb einer Postkarte mit einer Darstellung »Eisvogel auf seinem Ruheplatz am Bachrand«]

»Der ›Eisvogel‹ war schon seit meiner Kindheit mein Lieblingsvogel. Dieser Gegensatz zwischen ›zartem Vogel‹ und ›strenger Winterkälte‹! Und dazu schillert er noch blaugrün, wie ein Kolibri in den Tropenwaldungen. Der Winterkolibri! Sein scharfspitzer Schnabel sticht Fischlein aus dem Wasser, wie Harpunen Walfische stechen! Er sitzt tagelang auf der Lauer, auf einem Baumstumpfe am Teiche. Plötzlich schießt er hin, taucht unter, sticht zu. Ein eleganter Mörder. (...) Ein ›romantischer Recke‹ in blaugrün schilerndem Panzer! Ein Märchen-Held der Natur selbst! (...)
(Bilderbögen des kleinen Lebens, 1909)

Im Nachlaß Altenbergs befindet sich auch ein Eisvogel aus Rosenthal-Porzellan.
(diese 3 Belegstellen entnommen aus: Hans Bisanz. Peter Altenberg: Mein äußerstes Ideal. Wien und München 1987, S. 56).


Eisvogel, lieblicher, eleganter, geschickter, heimtückischer, anmutiger Mordgeselle! Die Fische urteilen über Dich weniger günstig!
Peter Altenberg: Nachlese.Wien 1930, S. 66.


Werner Krauss: P L N. Die Passionen der halykonischen Seele. [Roman.] Frankfurt a. M., Klostermann (1946.) 8°. 373 Ss., 1 Bl.
"Es war schwierig herauszufinden, daß mit halykonisch eine Dissimilierung von halkyonisch vorgenommen wurde [...] PLN ist ein Buch des [...] antifaschistischen Widerstands, in Gefängnissen und Zuchthäusern der Nazis geschrieben." Heinrich Böll in "Die Zeit" vom 14.8.1983.


Manfred Schneiders
Essay »Halkyonische Töne. Nietzsche der Sprachkünstler« beginnt: »Halkyonisch heißt ein Haupteintrag in Nietzsches Lexikon euphorischer Wörter. Es ist ein zugleich mythisch und musikalisch geformtes Seligkeitszeichen, gesättigt mit Klarheit, Ruhe und stillgestellter Zeit. [...]« weiterzulesen in der Juni Ausgabe der Zeitschrift DU aus dem Jahre 1998


Übersetzungsprobleme bei W. Shakespeare oder Halcyon Beaks - what the heck ist das? - das ganze Ergebnis der Rezeptionsforschung wird ersichtlich, indem Sie auf den rechts stehenden Text klicken - Abschrift übermittelt durch Peter Neu verwandt und verschwägert mit der Evangelischen Akademie Loccum Schriftführer des Bürgerbusses Rehburg-Loccum - Prosit! Shakespeare


Walter von Sanden: Der Eisvogel. [Naturkundliche Erzählung. Marburg, Gräfe und Unzer 1948.
Einbandzeichnung nach einem Aquarell von Roman Waher.

         
 »Art & Auction, Juli 2002;
übermittelt von Christian Hesse, Hauswedell & Nolte
Spendenaufruf des Bundes für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) »Eisvogel sucht dringend Bruthöhle an unverbautem Bach- oder Flußlauf zwecks Familiengründung. Steilhang mit überhängenden Zweigen oder größeren Steinen bevorzugt«.  Werbung für die Marke Wollsiegel
»Eintauchen und versinken [...]« 
Werbung für Licher Bier: »Die natürlichsten [sic!] Dinge sind die schönsten«   Post aus Japan mit einer Briefmarke »Eisvogelmotiv«, davon wird es wohl hunderte geben?!
         

 



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